Bergbaufreunde Elbingerode/Harz e. V.

Bergbaulehrpfad

Bergbaulehrpfad am Büchenberg 
Anmerkungen zu den einzelnen Stationen

Allgemeines
Im Raum Elbingerode wurde schon seit Jahrhunderten Eisenerz abgebaut. Der Bergbaulehrpfad führt durch alte Bergbaureviere nördlich der Stadt. Da hier auch die Grenze zwischen dem Königreich Hannover (Elbingerode) und der Grafschaft Stolberg-Wernigerode verlief, trifft man sowohl auf Zeitzeugen des fiskalisch betriebenen Bergbaus auf Wernigeröder Seite, als auch auf die des Elbingeröder Eigenlehnerbergbaus.

Der Bergbaulehrpfad wurde von 1991-92 im Rahmen einer ABM-Maßnahme von ehemaligen Bergleuten mit viel Liebe angelegt, drohte aber nach wenigen Jahren bereits wieder zu zerfallen, da sich niemand um den Erhalt kümmerte. Der 1995 gegründete Verein „Freunde des Eisenerzbergbaus Büchenberg e.V.“ (heute „Bergbaufreunde Elbingerode / Harz e.V.“) machte es sich von Anfang an zur Aufgabe, diesen Lehrpfad zu erhalten und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Seitdem sind von den Vereinsmitgliedern unzählige freiwillige Arbeitsstunden geleistet worden, um die historischen Zeitzeugen zu erhalten bzw. um neue zugänglich zu machen. Regelmäßig und auch auf Anfrage werden vom Verein geführte Wanderungen über den Lehrpfad angeboten, die von Bergbau- und Heimatinteressierten gut angenommen werden.

Startpunkt 1 ist das Schlosswasserhäuschen am Chausseehaus Bolmke, wo man bequem mit dem Bus von Wernigerode oder Elbingerode hingelangt. Über die Weißkopfchaussee und die Eisensteinstraße gelangt man zum Schaubergwerk Büchenberg.

Startpunkt 2 ist der Gedenkpunkt auf dem kostenfreien Parkplatz des Schaubergwerks. Auf einem kleinen Rundgang gelangt man direkt zum Schaubergwerk Büchenberg.

Schlosswasserhäuschen

Das Schloßwasserhäuschen mutet auf den ersten Blick wie das Mundloch eines Stollens an, es handelt sich jedoch nur um eine eingehauste Wasserfassung. Hier wurden aus verschiedenen Gruben die ablaufenden Wasser gesammelt und dem Schloß Wernigerode als Trinkwasser zugeführt. Das Wasserhäuschen wurde 1738 fertig gestellt. Nach dem Bau der Zillierbachtalsperre verlor es seinen Zweck und Ende der 1980-er Jahre war es komplett eingestürzt. Nachdem jeder einzelne Stein nummeriert worden war, konnte es im Rahmen der ABM vollständig wieder aufgebaut werden.

Franzstollen

Woher der Stollen seinen heutigen Namen hat, ist unbekannt. In früherer Zeit wurde er Hartengrippenhagensberger Stollen genannt. Die Vortriebsarbeiten für diesen 88 Lachter (169 m) langen Stollen dauerten von 1694-1709. Wegen zeitweise sehr schlechter Wetter (Sauerstoffmangel) mussten die Arbeiten häufig unterbrochen werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1854 Thaler.
Der Stollen war durchschlägig mit der Gräfenhagensbergpinge, die er so bis auf eine Teufe von ca.27 m vom Wasser lösen konnte.
Auch dieses Stollenmundloch war vollständig verschüttet. 2008 wurde die Rösche von Vereinsmitgliedern freigelegt und das Mundloch rekonstruiert. In diesem Falle gab es allerdings keinerlei Unterlagen mehr. (Es könnte aber so ausgesehen haben…) Am Franzstollen befindet sich ein Rastplatz mit Schutzhütte.

Schaubergwerk Büchenberg

Direkt an der B 244, zwischen Wernigerode und Elbingerode, bietet sich für Sie die Möglichkeit, historischen Harzer Eisenerzbergbau neu zu erleben. Nur 300 m vom Großparkplatz entfernt, gelangen Sie, vorbei an vielen Bergbaugeräten aus vergangenen Tagen, zum idyllisch gelegenen Empfangsgebäude mit Ausstellungsraum. Hier erklingt das „Glück Auf“ der Bergleute bei Ihrem Besuch in unserem Schaubergwerk, welches für Jung und Alt geeignet ist und auch Rollstuhlfahrern die Möglichkeit der Besichtigung bietet.

In fachlicher und unterhaltsamer Weise zeigen wir Ihnen in etwa 60-70 Minuten unter welchen Bedingungen die Harzer Bergleute bis 1970 die wertvollen Erze förderten. Über eine gut befahrbare Treppenanlage, vorbei an den mächtigen Stützkonstruktionen der ehemals längsten Seilbahn Europas, gelangen Sie zur Antriebsanlage der Seilbahn, welche von unseren Besucherführern ebenso vorgeführt wird, wie die anderen Bergbaugeräte die sich Untertage befinden. Bereits hier werden die schweren Bedingungen, unter denen die Harzer Bergleute das wertvolle Eisenerz abbauten, deutlich. Vorbei am Erzbunker und den Füllstationen der Seilbahnloren geht es in den Bereich des Förderschachtes.

Herrmannschacht

Der Schachtkopf des Hermannschachtes stellt sich als Trockenmauerwerk dar, das deutlich über die angrenzende Wiese hinausragt. Er ist heute mit einer dicken Blechtafel abgedeckt. Am Anfang des 19.Jahrhunderts abgeteuft, war dies der Hauptförderschacht des gräflich wernigerödischen Büchenberges. Er war auf eine Teufe von 150 m projektiert und sollte auf den zeitgleich vorgetriebenen Zillierbacherbstollen treffen, was die Lösung des Wasserproblems für Generationen von Bergleuten bedeutet hätte.

Die Teufarbeiten wurden mit dem Niedergang des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts bei ca.70 m eingestellt. Um die geplante Teufe überhaupt erreichen zu können, mußten die im Schachtsumpf zusetzenden Grubenwasser auf das Niveau des Augustenstollens gehoben werden, über den sie dann abfließen konnten. Zu diesem Zwecke baute man bei 50 m Teufe ein inwendiges Kunstrad mit hölzernen Hubsätzen ein. Das ungewöhnlich schmale Rad mit knapp 9 m Durchmesser und gußeiserner Radnabe ist ein faszinierendes Bauwwerk.

Hildebrandstollen und Porphyritsteinbruch

Dieser Stollen befindet sich in dem unteren von zwei Porphyritsteinbrüchen. Er wurde von 1937-38 durch die Mitteldeutsche Stahlwerke AG Riesa in Richtung Hildebrandter Lager an der Nordflanke des Büchenbergsattels aufgefahren. Nach 220 m wurden die Vortriebsarbeiten eingestellt, da es mittlerweile zu einem Besitzerwechsel gekommen war (Mannesmann Röhrenwerke). Diese zogen es vor, den Zillierbacherbstollen weiter vorzutreiben, da sich hiermit nochmals 50 m zusätzliche Teufe realisieren ließen. 2011 wurde das völlig verschüttete Stollenmundloch von Vereinsmitgliedern wieder freigelegt und zusammen mit dem Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen –Anhalt e.V. als Fledermausquartier hergerichtet.

Schacht II+Schacht IIa + Gräfenhagenbergspinge

 Dieser Schacht der Grube Büchenberg diente der Fahrung, der Bewetterung und der Förderung. Er wurde nötig, nachdem sein Vorgänger, der Gräfenhagensbergschacht, infolge von Gebirgsschäden abgeworfen werden musste. Er wurde in den Jahren 1956-62 abgeteuft und 1963 in Betrieb genommen. Die Endteufe beträgt 327,8 m, der Schacht ist als einziger an alle 6 Fördersohlen angeschlossen.

Nach Stillegung der Grube im Jahr 1970 wurde auf der ersten Sohle eine Betonplombe eingebracht und der Schacht bis dorthin mit Schotter verfüllt. Der Abriß des Fördergerüstes erfolgte 1974. Heute sind nur noch das Fördermaschinenhaus und die Widerlager des Fördergerüstes zu finden.

Charlottenstollen

Dieser Stollen diente zur Wasserlösung der dahinter liegenden Gräfenhagensbergpinge. In dieser größten Elbingeröder Pinge wurde seit Jahrhunderten Eisenerz im Tagebau gewonnen. Mit zunehmender Teufe soff die Pinge regelmäßig im Frühjahr ab, der Bau eines Stollen wurde unumgänglich, damit die anfallenden Grubenwässer ablaufen konnten. Da man sich mit den Wernigerödern nicht auf eine gemeinsame Nutzung des unweit gelegenen Augustenstollens einigen konnte, wurde 1803 mit der Auffahrung eines eigenen Stollens begonnen. Für die geplanten 108 Lachter (ca.207 m) wurden vom Bergamt Clausthal 2387 Thaler bewilligt.

1806 fehlten noch 40 Lachter bis zur Pinge. Komplett fertig war der Stollen jedoch erst 1828, nachdem das Flügelort in Richtung Blaue Pinge sein Ziel erreicht hatte. 1938/39 erfolgte über den Charlottenstollen die Auffahrung der 1.Sohle der Grube Büchenberg sowie der Hochbruch des Gräfenhagensbergschachtes.
Ab den 1980-er Jahren verfiel der Stollen zusehends, 2005 war das Mundloch kaum noch zu finden. In diesem Jahr wurde es von ABM-Kräften wieder freigelegt und mit einer Trockenmauer gesichert. Die eigentliche Rettung erfolgte 2007, als das Stollenmundloch von zwei unentwegten Vereinsmitgliedern nach alten Fotos detailgetreu wieder aufgebaut wurde.

Ruine Schachtgebäude Schacht I

Dieser „Schandfleck“ auf der Route des Bergbaulehrpfades verdeutlicht in frappierender Weise, dass die formale Unterschutzstellung als Denkmal noch lange keinen wirklichen Schutz für dieses bedeutet. Das ehemalige Zechenhaus der Grube Büchenberg, gebaut 1939-44, war seinerzeit ein architektonisches Kleinod. Es wurde am Standort des Rothenbergschachtes (später Schacht I) errichtet und vereinte in sich die Schachthalle mit dem Fördergerüst, das Fördermaschinen-und Kompressorenhaus, das eigentliche Zechengebäude mit den Büros und der Rot-Weiß-Kaue, die Markenkontrolle und Werkstätten.

Auch nach der Stillegung der Grube im Jahr 1970 wurden die Gebäude weitergenutzt, als Betriebsferienanlage der Harzer Kalk-und Zementwerke. Sogar eine öffentliche Großgaststätte mit Kegelbahn kam noch hinzu. Seit der Wende 1989 sind die Gebäude dem Verfall preisgegeben. Von den hochfliegenden Plänen eines „Investors“ ist nichts übriggeblieben…

Augustenstollen

Dieser Stollen ist das Wernigeröder Gegenstück zum Charlottenstollen. 1783 begann man mit der Auffahrung des Stollens in Richtung der Grube Unterer Weißkopf. Über ein Bohrloch sollte diese ihr Wasser in den Stollen ableiten. Bereits 1805 zweigte ein Flügelort vom Stollen in Richtung Westen ab. Es erreichte 1838 den Hermannschacht, wurde danach aber noch wesentlich weiter vorgetrieben. 1998 erhielt das Mundloch einen neuen Teufstein. Man hatte versucht, das Original zu stehlen, und es war dabei in viele kleine Teile zerbrochen. Dank der fachgerechten Restauration durch die Dombauhütte Halberstadt kann man den Originalteufstein heute noch in der Heimatstube Elbingerode besichtigen. Das eingesetzte Duplikat sieht haargenau so aus, nur eben etwas neuer…
Übrigens, beim genaueren Betrachten sieht man, dass dem Steinmetz im 18.Jh.nicht ganz klar war, wie man den Buchstaben N schreiben soll. Er wollte es wohl allen recht machen und hat den mittleren Balken einmal links und einmal rechts rum gemeißelt.
Beachtenswert ist der Ausbau des Stollens in Trockenmauerung, d.h. ohne Verwendung von Mörtel.

Eierbergstollen

Dieser mit Schlägel und Eisen in reiner Handarbeit vorgetriebene Stollen wurde im 18.Jh.angelegt, um die Gruben im Hartenberger Revier vom Wasser zu lösen. Die Hauptstrecke führte zum Marmorbruch, ein in südliche Richtung abgehendes Flügelort zur Grube St.Johannis. Beide auf dem Stollen befindlichen Lichtlöcher wurden später verfüllt. Schon früh wurde die Trinkwasserqualität der abfließenden Wasser erkannt. So hat die alte Trinkwasserleitung zum Schloß Wernigerode hier ihren Anfang.

Radstube

An dieser Stelle befand sich im 18.Jh.eine Radstube. Hier drehte sich ein Kunstrad, das ein Feldgestänge bewegte, dessen Richtung man anhand der großen Trockenmauern am Weg erkennen kann. Das Gestänge endete an der Grube Unterer Weißkopf, wo es über ein Kunstkreuz 2 Pumpenhubsätze antrieb. Die Aufschlagwasser für das Rad kamen aus dem wenig oberhalb gelegenen Franzstollen und einem verbrochenen Stollen nördlich des Weges.

Marmorbruch

Diese beeindruckende Pinge liegt am östlichen Ende des Büchenbergsattels. Hier wurde Eisenerz sowohl im Tagebau als auch untertägig abgebaut. Die Anfänge gehen bis ins 15.Jh.zurück. Neben dem Erz wurden hier im 18.und 19.Jh. auch große Marmorblöcke abgebaut und über eine Rampe nach oben transportiert. Dies war kein Marmor im eigentlichen Sinne, den man vielleicht im Kopf hat, wenn man an die Bildhauerei italienischer Meister denkt. Es handelt sich vielmehr um einen besonders festen, dichten Kalkstein, der vom Eisen unterschiedlich eingefärbt ist. Von blutrot über dunkelgrün bis schwarz reicht die Farbpalette. Seine ganze Pracht zeigt der Marmor erst im geschliffenen und polierten Zustand. Dann treten auch die enthaltenen Meeresfossilien deutlich hervor. Die Bearbeitung erfolgte in der Marmormühle am Voigtstieg. Das Kirchenschiff der 1845-48 gebauten Friedenskirche in Potsdam wird von Säulen aus schwarzem Hartenberger Marmor getragen.