Daten zur Geschichte Teil 2
Für den Bau dieses Charlottenstollens wurden 2 Jahre eingeplant. Schwierigkeiten bei der Bewetterung verzögerten jedoch die Bauzeit. 1806 fehlten immer noch 40 Lachter bis zum Durchschlag in den Gelben Gräfenhagensberger Schacht. Das Flügelort in Richtung Blaue Gräfenhagensberger Pinge erreichte erst 1828 sein Ziel. Bereits 40 Jahre später war die Zeit des Eigenlehnerbergbaus vorbei, Ende des 19. Jahrhunderts dürfte die letzte Gräfenhagensberger Grube außer Betrieb
gegangen sein. In den 30-er Jahren des 20.Jahrhunderts wurde die Lagerstätte strategisch wieder interessant und von den Mannesmannröhren-Werken erschlossen, woraus die spätere Grube Büchenberg hervorging. 1938 wurde der Charlottenstollen auf 380 m Länge aufgewältigt und bei 290 m ein Sprengstofflager eingerichtet. 1939 wurde vom Charlottenstollen aus eine 75 m lange Strecke bis zum Schachtansatzpunkt des Gräfenhagensbergschachtes (Schacht II) aufgefahren. Von hier aus wurde der Schacht als Überhauen 54 m hochgebrochen. Nach der Schließung der Grube Büchenberg im Jahr 1970 wurden die meisten Schächte und Stollen verwahrt, so auch der Charlottenstollen. Er ist nur noch auf ca.10 m Länge befahrbar, dann folgt Versatz. Bis in die 80-er Jahre stand das in Trockenmauerung gesetzte Portal des Stollenmundlochs noch (siehe Foto). Irgendwann wurde das Portal von der Bergsicherung abgebrochen, weil die
Steine anderweitig verwendet werden sollten (Portal des Schaubergwerks
Büchenberg ?). Der Teufstein befand sich jahrelang im Gebäude der Bergsicherung auf dem Büchenberg, heute ist er nicht mehr aufzufinden (Hinweise zum Verbleib wären sehr willkommen. Der Stein gehört entweder in die Heimatstube oder ins Schaubergwerk, nicht jedoch in irgendeinen privaten Vorgarten.) So kam es, dass der Stollen fast in Vergessenheit geriet. Als der Bergbaulehrpfad angelegt wurde, war er nicht mit dabei. Was hätte man auch zeigen sollen …
Als der montanhistorische Wanderweg durch das Bodfeld angelegt wurde, bekam auch der Lehrpfad eine neue Beschilderung. Die ABM-Kräfte fanden den Stollen jedoch nicht und nagelten das Schild schon 100 m vorher an einen Baum. Dieser Zustand änderte sich erst grundlegend im Herbst 2005.
Da zu diesem Zeitpunkt die Vielzahl der notwendigen Arbeiten die Möglichkeiten des Vereins überstieg, wurde für 3 Elbingeröder eine Ein-Euro-Job-Maßnahme beantragt und von der Stadt Elbingerode finanziert. Neben umfangreichen Aufräumarbeiten im Porphyritsteinbruch bei Bolmke wurde auch der Charlottenstollen wieder freigelegt. Im Bereich des fehlenden Portals wurde die nunmehr offene Rösche durch eine eidseitige Trockenmauerung befestigt.
Daten zur Geschichte Teil 3
Um den ursprünglichen Zustand wenigstens erahnen zu lassen, wurde ein Schild mit einem Foto angebracht, das das intakte Stollenmundloch im Jahr 1957 zeigt.
Dieses Foto weckte bei Thomas Müller aus Wernigerode die Idee, das
Stollenmundloch möglichst originalgetreu wieder aufzubauen. Nachdem ein
passender Sandstein gefunden und vom Besitzer Herrn Ulrich Weber aus Derenburg kostenlos überlassen wurde, begann Thomas Müller, den alten Teufstein von 1803 anhand eines alten Fotos wiederzuerschaffen. Zusammen mit seiner Frau Annemarie und seinem Bruder Erhardt, seit Anfang des Jahres alle drei Mitglieder im Verein, setzte er seine Idee in die Tat um. Für Unterstützung in Form von Material, Werkzeug und Werkstattbenutzung ist der WEKU GmbH Metallbau Derenburg zu danken. Die Bauzeit am Stollen dauerte vom 28.Juli bis 15.September 2007. In diesem Zeitraum waren die Müllers fast an jedem Abend und an jedem Wochenende an ihrer Baustelle zu finden. Sämtliches Baumaterial, sogar das Wasser für den Mörtel musste mittels Schubkarre über ungefähr 200 m zum Stollen hintransportiert werden. In Summe kamen letztlich
ca.500 Arbeitsstunden zusammen, nicht weil man so langsam war, sondern weil eine perfekte Arbeit abgeliefert werden sollte. Dieser hohe Anspruch wurde glänzend erfüllt, wovon sich der Wanderer nunmehr mit eigenen Augen überzeugen kann. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass der Bergbaulehrpfad um eine Attraktion reicher geworden ist.
Am 29.September 2007 fand bei strömendem Regen die feierliche Einweihung statt, zu der der Verein alle Bergbauinteressierten sowie Vertreter der Öffentlichkeit und der Presse eingeladen hatte. Trotz des sehr nassen Wetters fanden sich insgesamt dann doch 23 Personen ein, darunter gleich zwei Bürgermeister: Andreas Flügel (Elbingerode) und Andreas Pawel (Hüttenrode), der dort den befreundeten
Bergverein leitet. Der Vereinsvorsitzende Jens Kruse sprach den Müllers nochmals seinen Dank aus. Annemarie Müller, die erst zwei Tage vorher Geburtstag hatte, wurde mit einem Blumenstrauß und einem von Angela Peters gemalten Bild geehrt. Nachdem den Gästen noch einiges zur Geschichte des Stollens erläutert wurde, ging es dann unter den Klängen des Steigerliedes zum gemütlichen Teil über. Bier und Grillwürstchen konnten sogar im Trockenen genossen werden, da kurzfristig noch ein paar Zelte organisiert worden waren. Bleibt zu hoffen, dass die enorme Arbeit, die am Charlottenstollen geleistet wurde, von jedermann geachtet wird und dieses schöne Fleckchen von mutwilligen
Beschädigungen verschont bleibt.